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Till Eulenspiegel und seine Streiche

Er gehört zu einem der beliebtesten Narrenfiguren Deutschlands und bringt mit seinen Geschichten, die voller Streiche sind, auch heute noch Kinder und Erwachsene zum Lachen: Till Eulenspiegel oder auch niederdeutsch „Dyl Ulenspegel“ beschäftigte auch früher mit seinen Späßen viele Zuschauer und brachte die damalige Welt voller Adligen, Mönchen und Bauern ordentlich durcheinander.

Der junge Bursche Till begeistert die Herzen vieler humorvoller Menschen mit seinen Geschichten voller Streiche – Wie er damals mit den alten Fürsten und intelligenten Geistlichen seine Späße trieb und wie er als Schelm von Ort zu Ort zog, ist im weltweit berühmten Eulenspiegelbuch verewigt. Ein Buch, was man aufgrund der verschiedenen Streiche, die Till machte, auch Schwanksammlung nennt (Schwänke sind altdeutsch für „Streiche“/“Späße“) (Quelle: Till-Eulenspiegel.de). Auch nach 500 Jahren kann man eines dieser Exemplare noch in einigen Buchläden zu finden ist.

Die Geschichte des Jungen, der dauernd Streiche spielt

Laut Überlieferung war Till Eulenspiegel ein umherziehender Schalk (ein altes Wort für „Schelm“ oder „Witzbold“), der im 14. Jahrhundert lebte. Der Junge erblickte um 1300 in Kneitlingen am Elm das Licht der Welt und wuchs mit seinen Eltern Klaus Eulenspiegel und Ann Witcken auf. Mit 12 Jahren zog Till in die große Welt und lernt auf seinem Weg viele unterschiedliche Menschen und Dinge kennen.

In den unterschiedlichen kleinen Geschichten im Eulenspiegelbuch wird schnell klar, dass Till viel klüger, gerissener und weitsichtiger als seine Mitmenschen ist. Seine Geisteskraft versteckt er oft hinter seinem Witz, indem er sich nicht selten dümmer stellt als er ist. Er spielt verschiedenen Personen lustige Streiche und reitet sich dabei immer wieder in Fettnäpfchen. Till Eulenspiegel rutscht in diese unangenehmen Geschichten oft hinein, indem er die bildlichen Redewendungen der Menschen wörtlich nimmt. Einige Streiche in den Geschichten spielt der junge Schelm allerdings auch aus schierer Boshaftigkeit oder um anderen ihre eigene Unwissenheit aufzuzeigen.

Till Eulenspiegel: Der Name ist Programm

Tills Geschichten zeigen, wie intelligent und gerissen der Junge für sein Alter ist. Das passt auch zu seinem Nachnamen: Die Eule galt bereits im alten Griechenland als Tier der Weisheit – sie ist schlau und anderen Vögeln oftmals überlegen. Der Spiegel war auch im Mittelalter schon ein Symbol für Selbsterkenntnis – Till Eulenspiegel hält den anderen Menschen den Spiegel vor; zeigt ihnen also ihr eigenen Fehlverhalten aus. Außerdem ist der Spiegel auch ein typisches Narrenattribut.

Eine weitere Interpretation liegt in der niederdeutschen Variante des Nachnamen: „Ulenspegel“ besteht aus dem alten Wort „ulen“, was im Hochdeutschen „fegen“ bedeutet und „Spegel“, was so viel heißt wie „Hinterteil“ – zusammengesetzt würde die Wortgruppe „das Hinterteil fegen“ entstehen. Hieraus kann man die Deutung ableiten, dass dem Jungen – so frech wie er in seinen Geschichten ist – einmal den Hintern versohlt bekommen sollte.

96 Geschichten von Till Eulenspiegel sind bis heute überliefert, zwei der Streiche sollen als Einblick in die Narrenwelt des Helden kurz erzählt werden:

12. Streich: Wie Eulenspiegel einem Kaufmann in Hildesheim das Haus räumte

Till Eulenspiegel war als Knecht bei einem Kaufmann angestellt, welcher ihn allerdings nach einiger Zeit mit den Worten „Morgen räume mir das Haus, ich will dich hier nicht mehr sehen!“ von seinen Diensten befreite, da dem Kaufmann die Narren-Geschichten des Jungen zu anstrengend waren. Also tat Till wie ihm geheißen und räumte, als der Kaufmann eines Tages in der Kirche war, alles aus dem Haus, was er finden konnte: Tische, Stühle, Schränke und auch das Bett. Als der Kaufmann später verärgert seinen ganzen Hausrat auf der Wiese vorfand, sagte Till entschuldigend: „Ihr habt doch gesagt, ich soll das Haus räumen!“.

89. Streich: Wie Eulenspiegel in einem Krankenhaus alle Kranken ohne Arznei gesund machte

Als Eulenspiegel nach Nürnberg kam und Geld brauchte, gab er sich als gelehrter Arzt aus. Das nahegelegene Krankenhaus war voller Kranken und so kam es dem Spitalmeister gerade recht, dass Till versprach, die Gebrechlichen und Erkrankten alle gesund zu machen, wenn der Meister ihm 200 Gulden geben würde. Nach dessen Zusage ging der Schelm zu allen Kranken und sagte: „Ich kann euh gesund machen. Dafür brauche ich aber ein Heilpulver, was ich aus der Asche das krankesten Menschen hier im Krankenhaus herstellen muss. Wenn ich also heute in der Nacht schreie „Wer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus!“, müsst ihr sofort aus euren Zimmern kommen. Denn der Lahmste, der zum Schluss hinaus kommt, den muss ich zum Pulver verarbeiten.

Als es Nacht wurde, weckte Till Eulenspiegel den Spitalmeister und schrie durch die Flure „Wer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus!“. Sofort eilten alle Kranken aus ihren Zimmern, denn sie wollten nicht als Heilulver für die anderen enden. Überrascht und beeindruckt zugleich gab der Meister dem Schelm die versprochenen 200 Gulden.


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